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Ausgabe Nr. 74 vom 5. - 18. November 2008
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Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Ferien feiern

„Erholt euch gut und kommt heil wieder nach Hause!“ Mit solchen und ähnlichen Wünschen verabschieden wir in den kommenden Wochen wieder viele Verwandte und Bekannte, Freunde oder auch Nachbarn in den wohlverdienten Urlaub – oder Sie sind mit solchen Wünschen von zu Hause aufgebrochen, um diese Erholung hier auf Teneriffa zu finden. Ich denke: Wir alle haben an unsere freie Zeit und an unser Ferienziel dieselbe Erwartung: Erholsam soll alles sein. Aber was ist das?

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02.07.2008 - Teneriffa - In einem Wörterbuch fand ich unter dem Stichwort „Erholung“ folgende Erklärung: „Sich durch Holen mit Etwas versorgen.“ Sie schütteln den Kopf? Das trifft es doch eigentlich genau! Es bleibt nur die Frage, was ich denn Holen muss, um an Leib, Seele und Geist versorgt zu sein. Was fehlt mir zum Leben - oder andererseits eben auch - was hindert mich am Leben, am Menschsein? Was muss ich also in diesen Wochen meines Urlaubs mir „holen“? 
Ursprünglich bedeutete ja Urlaub die „Erlaubnis“, aus seinem Dienstverhältnis heraus zu treten, die Freiheit zu erhalten, mal etwas ganz anderes zu tun oder einfach mal nur eine bestimmte Zeit gar nichts zu tun. Im Mittelalter war es eine Gnade, die z.B. ein König seinen Höflingen gewähren konnte - heute ist das für uns laut Arbeits- oder auch Dienstvertrag geregelt und garantiert. So liegen also nun lange Ferienwochen vor uns und es bleibt die Überlegung für jede und jeden von uns, wie man sie wohl gestalten kann und auch gestalten soll. 
Ferien gestalten - das bedeutet für mich zunächst einmal abschalten, ausspannen, zur Ruhe kommen, Mut zur Stille aufbringen, zum Verweilen bei sich selbst, in zweckfreien und unverplanten Stunden mal wieder dem Pulsschlag des eigenen Lebens nachspüren. Im Urlaub wird das Pendel des Lebens mal wieder auf das Gleichmaß von Arbeit und Freizeit, von Anspannung und Entspannung, von Schaffen und Ruhen eingerichtet. In diesen Tagen lassen wir die Dinge mal ganz locker auf uns zukommen, anstatt wie sonst üblich auf sie zuzugehen. Ja, wir erfahren mehr von der Innenseite unsere Lebens, weil wir im wahrsten Sinne des Wortes „innehalten“. Wir halten die Augen und Ohren offen für das Wesentliche der Dinge und auch des Menschen.
Ferien gestalten, dazu gehört für mich aber auch: Sich der vielfältigen Schönheit der Natur zu öffnen, sie mit Freude und in Ehrfurcht zu genießen und ihre Geheimnisse zu bestaunen. Wo bitte kann man das auf engstem Raume besser genießen als hier? Auf der einen Seite die Gebirgszüge und der Teide, auf der anderen Seite das Meer und das Element Wasser, das für uns so überlebensnotwendig ist. Ich möchte uns in Erinnerung rufen, was Max Planck bereits 1924 in einem Vortrag gesagt hat: „Wer es so weit gebracht hat, dass er sich über nichts mehr wundert, der beweist dadurch nur, dass er es verlernt hat, gründlich nachzudenken.“ Man muss die Wunder der Natur nur geduldig betrachten, dann erwächst daraus dieses ehrfürchtige Staunen, das tiefer reicht als alle Wissenschaft. Wer die Natur nicht nur als Ausbeutungsobjekt sieht, sondern als großartige Schöpfungswirklichkeit, die unseren Lebensraum auf den lebendigen Gott verweist, wird sich bewusst, dass er für Schutz und Bewahrung seiner Umwelt eben auch Verantwortung zu tragen hat.
Ferien gestalten, das meint aber auch: Sich mit besonderer Aufmerksamkeit den Menschen in der nächsten Umgebung zuzuwenden. Das kann in ganz einfachen und unaufdringlichen Formen, die kaum Aufwand benötigen, geschehen. Im Zuhören, im Gespräch, im Spiel, beim Sport und guter Unterhaltung. Begegnungen, die unsere mitmenschliche Verantwortung fordern und fördern, machen frei. Wie sagte Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung!“
Ferien sinnvoll gestalten, das lenkt nicht zuletzt den Blick auf Gott, der der Herr aller Zeit ist und der uns die Zeit anvertraut hat. Es ist ja eine besondere Not unserer Tage, dass wir im Alltag oft nur schwer den Kontakt mit Gott halten können, weil seine Worte in dieser mehr als geschwätzigen Zeit oft einfach erstickt werden. Ja, vielleicht müssen wir tatsächlich von Zeit zu Zeit fort-fahren, um wieder neu und spontan Gott zu er-fahren. Vielleicht müssen wir tatsächlich aus unseren eigenen vier Wänden herausgehen, um Gott in der Vielfalt seiner Schöpfung wieder neu zu entdecken.  
Spüren Sie, welche Chancen uns Ferien bieten? Nicht umsonst gehören die Wörter „Ferien“ und „Feiern“ zusammen. Wir sollten die Ferien einfach feiern!

Bertram Bolz, Diakon
Kath. Touristen- und
Residentenseelsorger


Diesen und frühere Artikel können Sie nachlesen unter: http://www.katholische-gemeinde-teneriffa.de oder www.wochenblatt.es








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