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Ausgabe Nr. 74 vom 5. - 18. November 2008
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Jeden zweiten Tag wird eine Fläche so groß wie ein Fußballfeld unter Zement begraben

Ersticken die Kanaren im Bauboom?

In 15 Jahren wuchs die bebaute Fläche auf dem Archipel um 54%

Der Besiedelungsdruck auf den Kanarischen Inseln wird immer stärker. Nur 40% der knapp 750.000 Hektar des Archipels sind bebaubar. Der Rest ist Naturpark, steil abfallendes Gelände oder über 1.200 m Höhe kein geeignetes Bauland. Der Bauboom, der die Inseln in den letzten 15 bis 20 Jahren verändert hat, ist nicht zu bremsen. Allein zwischen 1987 und 2002 wuchs die bebaute Fläche auf dem Archipel von 6.476 auf 9.976 Hektar – das sind 54%.

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Gnadenlos scheinen Hotelanlagen und Wohnsiedlungen vielerorts die Inseln zu verschlingen.
Galerie© Ayto. Adeje
Gnadenlos scheinen Hotelanlagen und Wohnsiedlungen vielerorts die Inseln zu verschlingen.
12.08.2006 - Kanarische Inseln - Zur Veranschaulichung: Theoretisch wird auf den Kanaren jeden zweiten Tag eine Fläche so groß wie ein Fußballfeld zubetoniert.
Eine besonders rasante Entwicklung hat Fuerteventura erfahren. Durch die enorme touristische Vermarktung der Insel sind nicht nur Hotelanlagen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Auch die Bevölkerung hat sich im Zuge dieser Entwicklung stark erhöht und es sind viele Wohnsiedlungen   nötig geworden. In 15 Jahren wurde die bebaute Fläche auf Fuertenventura um 170% vergrößert. In manchen Gemeinden hat sich die Bebauung sage und schreibe um 270% ausgedehnt. Ebenfalls ein starkes Wachstum hat Lanzarote mitgemacht, hier vergrößerte sich die besiedelte Fläche um 60%, und an dritter Stelle steht Teneriffa mit knappen 51%.
Trotz der unverhältnismäßigen Bauaktivität auf Fuerteventura ist die bauliche Entwicklung in der Provinz Santa Cruz de Tenerife deutlicher gewesen als in Las Palmas de Gran Canaria. 1997 waren in der Provinz Teneriffa 2.767 Hektar Land urbanisiert, 2002 waren es ganze 75 % mehr. In Las Palmas beträgt die Differenz hingegen „nur“ 37%.

Das wahre Gold der Kanaren

Die Gemeinden, die in den letzten Jahren dem stärksten Bebauungsdruck ausgesetzt waren, sind Antigua und Pájara auf Fuerteventura sowie Adeje auf Teneriffa.
Eine Untersuchung des Consultingunternehmens Dyrecto hat außerdem ergeben, dass die Kanarischen Inseln innerhalb Spaniens die Region mit der stärksten Immobilienspekulation sind. Dieser Druck der Bauunternehmer und Investoren auf der Suche nach Baugrundstücken ist auf den Inseln dreimal so hoch wie auf dem spanischen Festland. So kristallisiert sich Bauland immer mehr als „das wahre Gold“ der Kanaren heraus.
Schon im Jahr 2000 waren auf den Kanaren nur noch knapp 21% der gesamten als Bauland verwendbaren Fläche frei – bebautes sowie nicht bebaubares Land bereits abgezogen. Da stellt sich die Frage, wie die Zukunft aussehen wird. In den Grundbüchern waren 2001 auf dem ganzen Archipel fast 900.000 Wohnungen eingetragen – bei einer Einwohnerzahl von etwa 1,7 Millionen. 140.000 standen zum damaligen Zeitpunkt leer und 120.000 waren als Zweitwohnsitz gemeldet.
Dieses Phänomen hat sich in den letzten Jahren noch verstärkt, da viele kanarische Unternehmen die Investitionsrücklagen für den Immobilienkauf verwendet haben, die allerdings über einen Zeitraum von fünf Jahren nicht verkauft, sondern nur vermietet werden dürfen.








Leserbriefe zu Artikel Ersticken die Kanaren im Bauboom?

28.08.2006 - ,
Allgegenwärtige Bauwut
Mit dem Leitartikel Ihrer letzten Ausgabe „Ersticken die Kanaren im Bauboom?“ haben Sie mir voll aus der Seele gesprochen. Und die Bauwut ist tatsächlich allgegenwärtig, da muss man nicht zum Süden oder auf andere Inseln schauen. In der Urbanisation Las Cuevas, wo ich ein Haus besitze und seit zehn Jahren lebe gibt es inzwischen zwei Beispiele dafür, wie auf kleinstem Grund und Boden mehrgeschossige Reihenhäuser errichtet werden um den größtmöglichen Profit zu erzielen. Die Interessen der Anwohner, die unzureichende Infrastruktur oder gar die Ästhetik der Wohnanlagen werden dabei völlig außer Acht gelassen. Ganz zu schweigen von der Frage, ob so etwas überhaupt legal sein kann.
Ihre Zeitung hat vor einigen Ausgaben bereits über eines der Bauvorhaben berichtet, bei dem inmitten einer Bungalowsiedlung – im Bebauungsplan der Stadt La Orotava als Gartenstadt ausgewiesen – mehrere Wohnblocks in Form von mehrgeschossigen Reihenhäusern gebaut werden, die den dahinter befindlichen Bunga-lows Licht, Sonne und jegliche Intimsphäre nehmen. Der Verkaufswert dieser Häuser mit ihren hübschen Gärten sinkt damit geradezu in den Keller.
Doch diese Baustelle ist leider kein Einzelfall. Etwas oberhalb, an anderer Stelle   der Urbanisation Las Cuevas wächst ein weiterer Monsterbau zwischen den Einfamilien-Bungalows in die Höhe und wie es heißt, ist das längst nicht das Ende. Auch in den nahe gelegenen Urbanisationen El Drago und Humboldt soll es ähnliche Baupläne geben.
Der Nachbarschaftsverband hat sich inzwischen mehrmals getroffen um über gemeinsame Schritte zu beraten und es wurden auch Gelder gesammelt, um Gutachten von Juristen und Architekten einzuholen. Doch in der Zwischenzeit wachsen die Neubauten unaufhaltsam weiter.
Die Stadtväter haben sich meines Wissens bislang auf die Feststellung beschränkt, dass die Baulizenzen völlig legal sind. Man werde prüfen, ob die Bauvorschriften eingehalten werden. Doch nach wie vor wird hektisch weitergearbeitet. Bagger und Betonmischer fahren von früh bis spät durch die bislang so beschauliche und friedliche Wohngegend.
Um zu verhindern, dass die Kanaren im Bauboom ersticken, muss bei den Gemeindevätern begonnen werden. Sie sollten sich auf ihre Pflichten besinnen, für das Wohl ihrer Bürger zu wirken, die sie ins Amt gewählt haben und nicht auf die Einnahmen schielen, die durch die Baulizenzen so reichlich ins Stadtsäckel gespült werden.

Bernhardine Wulf
La Orotava



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